Akteure / Sektoren

Sie sind Tourismusfachmann, Raumplanerin oder Forstwirt? Dann erfahren Sie auf dieser Seite, warum auch Ihr Einsatz für vernetzte Lebensräume wichtig ist.

Landwirte: aktive Landschafts- und Lebensraumgestalter

© Matthias Huss
© Matthias Huss

Die Landwirtschaft hat einen entscheidenden Einfluss auf die Biodiversität in den Alpen. Zahlreiche Lebensräume sind hier erst durch die traditionelle menschliche Landnutzung entstanden. Während in den Tallagen die intensive Landwirtschaft Barrieren für die Mobilität der Fauna und die Verbreitung von Wildpflanzen bilden kann, sind die extensiv genutzten Hochlagen immer noch extrem reich an biologischer Vielfalt. Letztere sind jedoch durch die Modernisierung der landwirtschaftlichen Praxis zunehmend von einer Nutzungsaufgabe bedroht.
LandwirtInnen können einen wesentlichen Beitrag zum Erhalt und der Förderung ökologischer Netzwerke leisten. Insbesondere auf intensiv genutzten Flächen können beispielsweise Grün- und Randstreifen oder Strukturelemente wie Hecken und Trockensteinmauern angelegt werden. Auch eine extensivere Bewirtschaftung wie der Verzicht auf Düngemittel, Insektizide etc. trägt dazu bei, den Erhalt der biologischen Vielfalt und die Vernetzung von Lebensräumen zu gewährleisten. Diese Leistungen der LandwirtInnen zur Förderung von biologischer Vielfalt und Vernetzung sollten entsprechend entschädigt werden. Denn sie tragen damit zum Erhalt der Biodiversität als Lebensgrundlage und zu einem lebenswerten Umfeld für die gesamte Gesellschaft bei.

Jäger und Försterinnen: Botschafter für ökologische Netzwerke

© Reiner Kwiotek/Zeitenspiegel
© Reiner Kwiotek/Zeitenspiegel

Wald prägt das Landschaftsbild der Alpen - mehr als ein Drittel der Fläche ist von Wald bedeckt. Neben seiner Bedeutung als Lebens-, Erholungs-, Natur und Wirtschaftsraum steht der Wald zudem mit einer Vielzahl ökosystemarer Dienstleistungen in direkter Verbindung (Wasser- und Bodenschutz, Regulierung des Klimas, Abmilderung von Naturkatastrophen). Gleichzeitig ist der Wald durch seine grossen zusammenhängenden Flächen ein wichtiges verbindendes Element in der Landschaft.
Jägerinnen und Förster sind aufgrund der hohen ökologischen Bedeutung des Waldes und ihrer vielerorts traditionellen Stellung in der Gesellschaft wichtige Botschafter für ökologische Netzwerke. Die Nachhaltigkeit spielt bei ihrer Arbeit von jeher eine bedeutende Rolle. Sie können dazu beitragen, in der Bevölkerung das Bewusstsein für die Bedeutung eines nachhaltigen Wald- und Wildmanagements zu fördern. Denn ein naturnaher Wald mit einem hohen Anteil an Totholz und Althölzern eignet sich besonders gut zur Vernetzung wertvoller Lebensräume. So können Waldreservate helfen, naturschutzfachlich wertvolle Bereiche wie z.B. Altholzbestände oder Niederwälder als wichtige Elemente eines Biotopverbunds zu erhalten und vor Störungen durch Menschen zu schützen. Alternative Methoden zur Holzernte verursachen weniger Schäden am Bestand und am Boden. Waldränder können ihre Funktion als Trittsteinbiotope und Rückzugsorte besonders dann erfüllen, wenn sie strukturreich gestaltet werden.
Wichtig ist in diesem Zusammenhang auch eine angepasste jagdliche Nutzung, um einen naturnahen Wald und damit optimale Lebens- und Ausbreitungsbedingungen für ein möglichst breites Spektrum an Arten zu erhalten. Gebiete mit eingeschränkter oder ohne jagdliche Nutzung können zudem von empfindlichen Tierarten als Kernzone oder Trittsteinbiotop genutzt werden. Unterstützend wirken hierbei lebensraumverbessernde Massnahmen. 

Gewässer sind natürliche Autobahnen

© CIPRA International
© CIPRA International

Wasserläufe erfüllen wichtige Ökosystemfunktionen. Sie bieten Lebensräume, liefern Deckung und Nahrung und sind als „natürliche Autobahnen“ für Tiere und Pflanzen lineare Verbindungselemente in ökologischen Netzwerken. Fischtreppen und ähnliche wasserbauliche Einrichtungen ermöglichen es Fischen und anderen Fliessgewässerarten, Wanderungshindernisse wie Wehre oder Rückhaltebecken zu überwinden. Nur durch eine gute Wasserqualität, eine natürliche Flussdynamik und renaturierte Uferbereiche kann dies langfristig gewährleistet werden. Auch der Erhalt wertvoller Auwälder und Feuchtgebiete spielt für die biologische Vielfalt eine entscheidende Rolle.
Neben der Wasserwirtschaft sind auch die FischerInnen gefragt, wenn es um den Erhalt und die Förderung naturnaher Gewässersysteme geht. Sie kennen die Lebensräume und ihre Bewohner sowie die ökosystemaren Zusammenhänge und sind daher besonders sensibel für Veränderungen. Sie können die Aktivitäten von  Naturschutz und Wasserwirtschaft unterstützen und sind damit wichtige PartnerInnen bei der ökologischen Vernetzung von Flüssen, Seen und Auen. Denn von einer nachhaltigen Fischerei und naturnahen Gewässern profitiert nicht nur die biologische Vielfalt, sondern auch die FischerInnen selbst und all jene, die an Gewässern Erholung suchen.

Schlüsselakteure Raumplanung und Verkehr

© Franz Schultze/Zeitenspiegel
© Franz Schultze/Zeitenspiegel

Der Raum- und Verkehrsplanung kommt bei der Umsetzung eines ökologischen Netzwerkes eine Schlüsselfunktion zu. Durch die raumbezogenen Planungen und deren Instrumente können ökologische Verbindungen in der Landschaft verbindlich umgesetzt und langfristig gesichert werden. Daher sollten der Vernetzungsgedanke und andere Nutzungsinteressen von Anfang an gleichwertig in allen überregionalen, regionalen und lokalen Planungsprozessen verankert sein.
Die Verkehrsinfrastruktur trägt insbesondere in den Tallagen entscheidend zur Zerschneidung von Lebensräumen bei. Konfliktpunkte zwischen Verkehr und Migrationsachsen von wild lebenden Tieren können beispielsweise durch Grünbrücken und Tunnel, die periodische Sperrung von Strassen oder Verkehrsberuhigung entschärft werden.

Attraktive Landschaften für Einheimische und Besucher

Unverwechselbare Landschaften sind Teil der lokalen Identität und eine wichtige Grundlage für den Tourismus sowie die Freizeitnutzung durch die Bevölkerung. Strukturreiche, vielfältige Landschaften beherbergen mit ihren vernetzten Lebensräumen eine Vielzahl von Tieren und Pflanzen und stellen gleichzeitig eine abwechslungsreiche Umgebung mit hohem touristischem Potential dar. Naturnahe Fliessgewässer mit ihrem Umfeld und andere Landschaftselemente verbinden als ökologische Korridore die Lebensräume von Tieren und Pflanzen. Als grüne Lungen sorgen sie aber auch für eine bessere Luftqualität und bieten attraktive Möglichkeiten für die Naherholung und den Tourismus.
Der Tourismus kann direkt von einem Biotopverbund profitieren. Tourismusprojekte bzw. insbesondere die Folgen des intensiven Tourismus können die Landschaft und somit den Biotopverbund jedoch auch negativ beeinträchtigen. Durch Hotelsiedlungen, Skipisten und Verkehrsinfrastruktur werden die Verbindungen zwischen den Lebensräumen von Pflanzen und Tieren beeinträchtigt oder gar zerstört. Einige Sportarten und Erholungsaktivitäten stören Tiere und Pflanzen und verursachen Schäden in deren Lebensräumen. Die Tourismusverantwortlichen sind daher wichtige Partner, um die Landschaft und vernetzte Naturräume zu sichern. Durch nachhaltige Angebote und die Sensibilisierung der Besucher kann der Tourismus auch einen wesentlichen Beitrag zur Förderung ökologischer Verbindungen in der Landschaft leisten.

Flächendeckender Naturschutz

Um die biologische Vielfalt zu erhalten, ist eine nachhaltige Nutzung der Landschaft von Bedeutung. Naturverträgliches Handeln darf sich jedoch nicht auf Schutzgebiete beschränken, sondern ist auf der gesamten Fläche, gerade auch ausserhalb von Schutzgebieten nötig. Der Erhalt und die Förderung ökologischer Verbindungen in der Landschaft sind ein wichtiger Beitrag, um die bedrohte Tier- und Pflanzenwelt in den Alpen erfolgreich zu schützen und ehemals heimischen Arten eine Rückkehr zu ermöglichen.
Naturschutzmassnahmen spielen bei der ökologischen Vernetzung eine entscheidende Rolle: Sie tragen zur Erhaltung und Verbesserung der Lebensräume bei. Diese sind wichtig im Biotopverbund als Kernzonen und als Übergangshabitate oder Trittsteinbiotope. Durch die Umsetzung von Naturschutzmassnahmen können zudem Verbindungsflächen oder -strukturen geschaffen werden, welche die Durchlässigkeit der Landschaft flächig oder an bestimmten Konfliktstellen aufwerten. Naturschutzbehörden auf allen administrativen Ebenen sind gefordert, gemeinsam mit Naturschutzverbänden sowie weiteren Akteuren, wie Bevölkerung, Land- und Forstwirtschaft oder Raumplanung, die nötigen Massnahmen zu ergreifen.

Die Politik ist gefordert

© Frank Schultze/Zeitenspiegel
© Frank Schultze/Zeitenspiegel

Zahlreiche Massnahmen im Naturschutz wie die Erhaltung und Wiederherstellung wichtiger Lebensräume, die Renaturierung von Gewässern usw., in der Wald - und Landwirtschaft – z.B. die Anlage ökologischer Ausgleichsflächen oder die extensive Bewirtschaftung – aber auch entsprechend ausgelegte Verkehrs- und Landnutzungsplanung können zur Schaffung ökologischer Netzwerke beitragen. Diese Massnahmen müssen von lokalen Akteuren gefordert und von der regionalen und nationalen Politik gefördert werden. Politische Entscheidungsträger können eine naturverträgliche Entwicklung unterstützen, indem beispielsweise Förderinstrumente an Vernetzungskriterien gekoppelt werden, wie es bereits in einigen Ländern im landwirtschaftlichen Bereich der Fall ist. Den Gemeinden kommt dabei eine besondere Verantwortung zu, denn sie verwalten einen Großteil der Landschaft und können durch die raumbezogene Planung Einfluss auf die Nutzungsformen nehmen.
Ganz gleich in welchem Bereich Massnahmen umgesetzt werden sollen: es muss immer sichergestellt sein, dass die Massnahmen nicht isoliert umgesetzt werden, sondern in eine übergeordnete Strategie zur Schaffung eines ökologischen Verbunds eingebunden sind.

Informieren und sensibilisieren

Ein Verständnis für die Bedeutung von ökologischen Netzwerken sowie eine offene Kommunikation stellen die Grundlage für eine effektive Lebensraumvernetzung dar. Dabei spielt auch eine Vernetzung mit dem sozio-ökonomischen und kulturellen Bereich eine wesentliche Rolle.
Umweltbildung und Öffentlichkeitsarbeit sind daher zentrale Aspekte bei der Planung von Projekten zum ökologischen Verbund. Die zielgruppenspezifische Information und Sensibilisierung der verschiedenen Akteure aber auch der breiten Bevölkerung können einen wichtigen Beitrag zum langfristigen Gelingen von Biotopverbundinitiativen leisten. Denn je größer das Bewusstsein für die Bedeutung ökologischer Netzwerke ist, desto mehr Unterstützer und Förderer finden sich.

Jede und Jeder kann etwas bewegen

Ökologische Netzwerke werden nicht nur im grossen Massstab umgesetzt, sondern jeder einzelne von uns kann dazu beitragen. Es gibt zahlreiche Möglichkeiten, wie auf privatem Grund vernetzte Lebensräume gefördert werden können. Damit werden die negativen Auswirkungen der zunehmenden Zerschneidung unserer alpinen Landschaft vermindert. Bereits die Einhaltung bestimmter Mahdtermine oder artenreiche Ansaaten auf Ackerflächen und in Wohngebieten bereichern das Landschaftsbild und verbessern die Verbindungen zwischen Naturräumen. Auch kleinflächig umgesetzte Massnahmen sind von Bedeutung. Jeder und jede Einzelne kann auf vielfältige Weise zu einem Biotopverbund beitragen. Sei es durch die Anlage eines naturnahen Gartens, einen schonenden Umgang mit den räumlichen Ressourcen oder durch ein umweltfreundliches, wenig störendes Verhalten bei Ausflügen in der Natur.

Ökologische Vernetzung als Gemeinschaftsaufgabe

Aktivitäten zu Förderung und Erhalt ökologischer Verbindungen in der Landschaft sollten auf eine breite Basis gestellt werden. Je mehr Akteure eingebunden werden, desto höher sind Akzeptanz und Unterstützung für Aktionen zur Verbesserung ökologischer Netzwerke. Die Motivation ist besonders hoch, wenn ein persönlicher Bezug zum geplanten Projekt vorhanden ist. Projektbezogen können je nach Ausrichtung der Aktivitäten zahlreiche weitere Akteure, wie beispielsweise Sportverbände, Kirchen, Schulen und Kindergärten aber auch Energieunternehmen oder das örtliche Bauamt eingebunden werden.

Spezifische Informationen für Ihren Fachbereich

CoverNaturschutz120170.jpgUnsere „Infoblätter“ erklären auf kompakte Weise, wie Akteure aus den verschiedenen Fachbereichen vom Thema der ökologischen Netzwerke betroffen sind und was sie zur Verbesserung der Situation beitragen können.

In der Massnahmen-Datenbank können Sie sich diejenigen Aktionen anzeigen lassen, die für Ihren Fachbereich oder für Ihre spezielle Situation besonders passend sind.

Download gesamter Massnahmenkatalog

Alle Inhalte des Massnahmenkatalogs sind in diesem Bericht zusammengestellt. Der Bericht wird regelmässig aktualisiert.